Für stabile Fundamente
in Beziehungen und im Beruf.

Kennst du das? Ein neuer Mensch kommt in dein Leben, alles fühlt sich aufregend an, fast magnetisch. Ihr passt perfekt zusammen, denkst du. Am Anfang ist sowieso alles toll, er beteuert seine Gefühle, und du lässt dich fallen. Und dann, irgendwann später, merkst du: da ist es wieder. Jemand, der emotional kaum greifbar ist. Die Nächte, in denen du auf eine Nachricht wartest, irgendein Lebenszeichen, weil diese Angst, dass etwas nicht stimmt, dich innerlich auffrisst. Dieses Gefühl, um Nähe kämpfen zu müssen, die eigentlich einfach da sein sollte.

Bei vielen meiner Klientinnen kommt irgendwann dieselbe Frage: Was stimmt nicht mit mir, dass mir das immer wieder passiert?

Kurze Antwort vorab: nichts. Zumindest nicht in dem Sinn, den du vermutlich meinst.

Kein Fehlverhalten, kein Makel. Ein Signal

Verlustangst fühlt sich oft an wie eine persönliche Schwäche, so als wärst du einfach zu viel, zu emotional. Stimmt so nicht. Was du erlebst, ist ein Schutzmuster, das dein Nervensystem sich irgendwann angewöhnt hat. Was sich heute wie ein Makel anfühlt, war früher eine ziemlich kluge Anpassung, in einer Umgebung, in der Nähe und Liebe eben nicht immer sicher waren.

Das heißt nicht, dass du dem ausgeliefert bist. Es heißt nur: die Frage ist nicht, was ist falsch an mir, sondern woher kommt das eigentlich, und was mache ich heute anders damit.

Woher das kommt

In der Bindungsforschung, die auf John Bowlby zurückgeht, gibt es die Idee des inneren Arbeitsmodells. Vereinfacht gesagt bildest du dir als Kind eine Grundannahme darüber, wie Nähe funktioniert, je nachdem, wie verlässlich deine Bezugspersonen für dich da waren. War jemand mal ganz nah, dann wieder abweisend oder gar nicht greifbar, lernt ein Kind ziemlich schnell: Nähe ist nichts, worauf ich mich verlassen kann. Sie kann jederzeit wieder weg sein. Manchmal bleibt davon ein Satz übrig, den man sich später kaum noch bewusst macht, sowas wie ich muss um Nähe kämpfen, damit sie bleibt, oder ich darf mich eigentlich niemandem wirklich anvertrauen.

Und dieses Modell verschwindet nicht einfach, wenn man erwachsen wird. Es zieht mit in spätere Beziehungen, und meldet sich meistens genau dort am lautesten, wo es am meisten wehtut, in der Partnerschaft selbst. Menschen mit einem eher ängstlichen Bindungsstil fühlen sich, so widersprüchlich das klingt, oft gerade zu emotional distanzierten oder unsicher verfügbaren Partnern hingezogen. Nicht weil das guttäte, sondern weil es vertraut ist. Und Vertrautheit fühlt sich für unser Nervensystem manchmal eben wie Sicherheit an, obwohl es das nicht ist.

Übrigens zeigt sich das andere Extrem, die Bindungsangst, oft spiegelbildlich, nur dass dort die Nähe selbst als Bedrohung erlebt wird, statt der Verlust.

Was im Körper passiert, bevor du überhaupt nachdenkst

Verlustangst ist kein rein gedankliches Problem. Sie zeigt sich körperlich, meistens bevor du überhaupt bewusst denkst. Ein Blick aufs Handy, das nicht klingelt, eine kühlere Stimme am Telefon, das kann schon reichen, und dein Nervensystem geht in Alarmbereitschaft: Herzklopfen, Enge in der Brust, dieser Drang, sofort etwas zu tun, nachzufragen, zu kontrollieren.

Aus polyvagaler Sicht steckt dein Nervensystem in solchen Momenten im sympathischen Zustand, im Kampf- oder Fluchtmodus (manchmal auch im Erstarren, dem sogenannten Freeze), obwohl objektiv gerade gar keine Gefahr besteht. Der Körper reagiert auf eine alte, tief eingeprägte Erfahrung, nicht auf das, was gerade wirklich passiert. Deshalb bringt reines Vernunft-Argumentieren in dem Moment auch so wenig. Du kannst dir hundertmal sagen, dass alles okay ist. Wenn der Körper im Alarm ist, hört er darauf nicht.

Was nicht hilft, und was hilft

Eine Klientin hat mir mal erzählt, wie sich das bei ihr konkret abspielt. Immer wenn ihr Freund abends mit seinen Kumpels unterwegs ist, geht es ihr am Anfang eigentlich ganz gut, sie gönnt ihm das auch, wirklich. Aber nach ein paar Stunden, in denen er sich nicht gemeldet hat, geht bei ihr das Gedankenkarussell los. Was ist los, ist ihm was passiert, er müsste doch längst zuhause sein. Irgendwann checkt sie seinen Standort über eine App, und wenn er nicht da ist, wo er gesagt hat, dass er ist, wird es noch schlimmer. Sie schreibt, ruft an. Keine Antwort. Sie versucht es weiter zu kontrollieren, im Kopf laufen inzwischen die schlimmsten Szenarien. Am Ende kommt er betrunken nach Hause, sagt, sie waren einfach in einer anderen Kneipe, und versteht überhaupt nicht, warum sie so aufgebracht ist.

Von außen sieht das aus wie Misstrauen oder Kontrollsucht. Von innen ist es fast reine Überlebensangst, das Nervensystem meldet eine Bedrohung, wo objektiv gerade nur ein Abend mit Freunden stattfindet.

Was in so einem Moment selten hilft: sich selbst für die Angst zu verurteilen, sie wegzuargumentieren, oder sich Sicherheit zu verschaffen, indem man den Partner immer enger kontrolliert. Beides füttert das Muster meistens eher, als es aufzulösen.

Was ich Klientinnen stattdessen an die Hand gebe:

Wann das Thema größer ist als Coaching

Wenn Verlustangst so stark ausgeprägt ist, dass sie mit Panikattacken, anhaltenden depressiven Phasen, selbstverletzendem Verhalten oder sehr frühen, klar diagnostizierbaren Bindungstraumata einhergeht, gehört das in therapeutische Hände, nicht ins Coaching. Auch wenn belastende Kindheitserfahrungen sehr tief und akut wirken, ist eine traumatherapeutische Begleitung oft der sinnvollere erste Schritt.

Coaching kann dagegen sehr hilfreich sein, wenn du im Alltag grundsätzlich zurechtkommst, aber merkst, dass sich bestimmte Beziehungsmuster wiederholen, und du verstehen willst, warum, und wie du anders damit umgehen kannst.

Ein Satz, der mir wichtig ist

Coaching, Innere-Kind-Arbeit und der Ego-State-Ansatz, so wie ich sie anwende, sind ressourcenorientierte Methoden. Keine Traumatherapie. Ich arbeite mit Menschen, die im Alltag stabil sind, aber an einem Muster arbeiten wollen, das sich immer wieder zeigt. Wenn im Prozess klar wird, dass ein Thema tiefer geht, sage ich das offen und verweise weiter. Lieber ehrlich, als ein Coaching zu verkaufen, das nicht wirklich weiterhilft.

Falls du einen ersten Schritt machen willst

Wenn du erkennst, dass sich in deinen Beziehungen etwas wiederholt, und wissen willst, woher es kommt, kannst du gerne ein 30-minütiges telefonisches Erstgespräch mit mir vereinbaren. Kostenlos, unverbindlich, wir schauen einfach gemeinsam, ob ich dich unterstützen kann.


Weiterführende, wissenschaftlich fundierte Quelle zur Bindungstheorie: Schneiderbauer, E. (2000). Bindung, Bindungstheorie. In: Stumm, G., Pritz, A. (Hrsg.), Wörterbuch der Psychotherapie. Springer, Wien. https://doi.org/10.1007/978-3-211-99131-2_253

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert